Interview Dr. Martin Wedig, FAB

Messeblick TV im Gespräch mit Dr. Martin Wedig von der Fachvereinigung Auslandsbergbau und internationale Rohstoffaktivitäten kurz FAB. Der Geschäftsführer der FAB stellt Moderatorin Judith Schacht dar, welche Funktionen und Aufgaben die Fachvereinigung übernimmt. Er zeigt auf, welche Probleme sich dem Markt stellen und mit welchen Lösungsstrategien der FAB darauf reagiert.

Fachvereinigung Auslandsbergbau auf der bauma 2016 in München

Judith Schacht: Ich hab das Glück jetzt mit Herrn Dr. Martin Wedig zu sprechen von der Fachvereinigung Auslandsbergbau. Zuerst müssen Sie mir mal erklären was ist denn der Unterschied zwischen dem Import von Rohstoffen und dem Auslandsbergbau?

Dr. Martin Wedig (Geschäftsführer FAB): Also bei dem Import von Rohstoffen geht’s natürlich grundsätzlich um den Rohstoffbedarf, der Rohstoffbedarf in Deutschland ist sehr groß. Wir haben in Deutschland ein Importvolumen von derzeit von 130 – 140 Milliarden Euro nur an Importrohstoffen. Über Bergbau wird Rohstoff gewonnen. Im Inland wie im Ausland. Es gibt einige Rohstoffe die werden eben in Deutschland nicht mehr gewonnen, die sind aber für unsere Industrie besonders wichtig, insbesondere was die Metallerze anbelangt. Und die werden dann im Ausland gewonnen – also Rohstoffgewinnung im Ausland – die wir auch eben als Auslandsbergbau bezeichnen.

Judith Schacht: Und warum kaufe ich mir das nicht einfach, sondern baue es selber ab, warum?

Dr. Martin Wedig, FAB im Interview mit Moderatorin Judith Schacht - bauma 2016 MünchenDr. Martin Wedig, Geschäftsführer FAB - bauma 2016 München

Dr. Martin Wedig: Damit ich aus der Abhängigkeit von ausländischen Produzenten herauskomme und die Rohstoffmärkte unterliegen ja einem gewissen Zyklus, also Auf und Ab von Preisen, die aber zum Teil bei einigen Rohstoffen sehr volatil sind. Das heißt also wir erleben Zeiten von extremen Niedrigpreisen wie im Augenblick, wir erleben aber auch Zeiten von extremen Hochpreisen und gerade in einer sensitiven Produktion wie wir das bei unseren verarbeitenden Unternehmen in Deutschland haben, die eben auf preiswerte Rohstofflieferungen angewiesen sind, bedeutet das natürlich insbesondere in der Hochpreisphase einen extremen Kostendruck der zusätzlich kommt und diesem Kostendruck kann man begegnen indem man eigene Rohstoffgewinnungs-Assets aufbaut.

Judith Schacht: Wo zum Beispiel – in welchen Ländern?

Dr. Martin Wedig: Im Grunde genommen weltweit, aber natürlich an, sagen wir mal, wenn man so eine gewisse Risikosensibilitätsanalyse macht würde man sich natürlich immer darauf konzentrieren wo ich sehr gute Lagerstätten hab und wo ich aber auch sehr gute Rahmenbedingungen vorfinde, das heißt also klassische Bergbauländer sind Australien, Nordamerika, zunehmend aber auch Südamerika, was neu entwickelt wird, ist beispielsweise Afrika, wobei wir da natürlich immer ein Problem haben mit der Infrastruktur. Und natürlich das große Feld Asien, wo auch sehr viele Lagerstätten vorherrschen, und natürlich auf der anderen Seite der Markt  auch Marktplayer in Asien sehr dominant sind.

Judith Schacht: Was ist denn so ein kritischer Rohstoff, wo man sehr Angst haben muss dass der sehr teuer werden könnte?

FAB Fachvereinigung Auslandsbergbau und internationale Rohstoffaktivitäten - bauma 2016Dr. Martin Wedig, Geschäftsführer FAB - Interview bauma 2016 München

Dr. Martin Wedig: Kritisch sind natürlich die seltenen Erdenmetalle, die sind ja mehrfach durch die Presse gegangen. Also dieses typische Neodym dass ich zum Beispiel für den Magnetbau und Elektromotorenbau verwende, die sehr selten sind in den Vorkommen. Größte Vorkommen sind in China und da besteht sogar ein Marktmonopol das kommt nochmal als Extramoment hinzu. Also eine monopolistische Preisbildung die immer zu Hochpreisen führt in ganz bestimmten Phasen und natürlich auch zu Lieferverzögerungen und Lieferschwierigkeiten, aber es sind auch eine ganze Reihe von anderen Metallen, die wir beispielsweise für ganz bestimmte Eigenschaften in der Metallbranche benötigen. Veredelungsmetalle, Molybdän, es gibt Wolfram was benötigt wird, die auch in der Natur nicht so häufig vorkommen in der Regel auch nicht als ein Erz gefördert werden können, sondern vergesellschaftet sind, mit anderen Erzen die man dann zusammen gewinnt und sehr aufwendig dann aus dem Roherz lösen muss. Sehr aufwendige Prozesse, sehr teure Prozesse, die den Rohstoff für den Markt erstmal selten machen und damit in Zeiten hoher Nachfrage unheimlich verteuern können.

Judith Schacht: Es ist momentan eigentlich eher Ausstiegsstimmung aus dem Bergbau in Deutschland und jetzt erzählen Sie mir dass man im Ausland damit wieder anfängt.

Dr. Martin Wedig: Ja genau, das erleben wir derzeit im internationalen Markt dass große Rohstoffplayer sich von ihren Assets trennen. Also wenn jemand überlegt, in ganz bestimmten Rohstoffklassen international einzusteigen, ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt um dort Assets international zu erwerben.

Judith Schacht: Welche großen Firmen haben Sie denn schon überzeugt?

Dr. Martin Wedig: Ach wir haben im Grunde genommen auf der Chemie Seite verschiedene wie die BASF oder die Lanxess. Die Lanxess beispielsweise als großer Chromit-Förderer, die betreiben eine eigene Chromit-Grube in Südafrika. Wir haben ThyssenKrupp davon überzeugt, die ja auf der Metallerzseite zum einen Rohstoffimporteur sind, zum anderen aber auch sehr stark auf die Technologieseite gewechselt sind. Also eigene Produkte auch im Bergbau liefern. Und wir haben eine ganze Reihe von Rohstoffhändlern inzwischen, die weil sie dieses Problem haben, nicht so sehr auf der Verkaufsseite aber viel stärker auf der Einkaufsseite sich unabhängig zu machen und mehr Sicherheit im Grunde genommen in ihren Rohstoffeinkauf reinzubekommen, dann auf die Rohstoffgewinnung auf diesen Pfad begeben.

Judith Schacht: Umweltschutz und Bergbau – das ist ein Thema – das geht für mich jetzt nicht zusammen, das macht mir Bauchschmerzen, da würde ich von ihnen jetzt gerne wissen wie man das miteinander vereinbaren kann.

Dr. Martin Wedig, Fachvereinigung Auslandsbergbau - bauma 2016 MünchenDr. Martin Wedig, FAB im Gespräch mit Messeblick TV - bauma 2016 München

Dr. Martin Wedig: Jedes Rohstoffprojekt fängt im Grunde genommen schon mit Umweltschutz an, das beginnt in der Planung. Das heißt wir wissen also vorher schon wenn wir irgendeine Fläche mit Bergbau beaufschlagen, wie wir das tun, wie wir das möglichst tun ohne das irgendeine Belastung für die Bevölkerung sich daraus ergibt.

Judith Schacht: Und halten Sie das dann auch im Ausland so streng?

Dr. Martin Wedig: Im Ausland gelten eben zum Teil andere Gesetze, wir haben aber inzwischen so einen internationalen Mainstream, der über dieses Environmental Mining, also umweltbezogenen Bergbau führt, man muss sich das nur über verlängerte Zeiten vorstellen, Bergbau ist ein langfristiges Geschäft, also wir reden in der Regel immer von einen Zeithorizont um die 20 Jahre – so und das von der Entwicklung bis zur Umsetzung, also Wiege – Bare, da ist es natürlich auch schwer zu kontrollieren und deswegen treten wir auch für die Rahmenbedingungen ein, die Rahmenbedingungen sollen ja nicht nur singulär bei uns gelten sondern auch im Ausland und deswegen insbesondere was Entwicklungs- und Schwellenländer anbelangt treten wir in diversen Gremien als Fachvereinigung dafür ein, dass hier stärker die Rahmenbedingungen gefördert werden   auch durch die internationale Gemeinschaft.

Judith Schacht: Dann schicke ich in 20 Jahren meine Tochter vorbei und die überprüft das dann!

Dr. Martin Wedig: Das können Sie gerne tun! Klar!

Judith Schacht: Dann danke für die Information und danke fürs Interview!

Verabschiedung. Ende des Gesprächs.

Offizielle Webseite FAB: www.consulting-fab.de

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